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Das Pendel schlägt um: Durchbruch der Kleinen – und die Meinungsforscher liegen (schon wieder) gründlich daneben

Der gängigste Fehler in der Forschungspraxis der Sozialwissenschaften ist die Geringschätzung der Probanden und die tendenzielle Verachtung des Forschungsgegenstandes. Nach der innersten Überzeugung eines gestandenen Forschers, ist das gemeine Volk vorurteilsvoll, unwissend, politisch desinteressiert (oder verdrossen), unentschieden – und letztlich irgendwie zu bequem, um eine bewusste Entscheidung zu treffen.

Bei den Meinungsforschern kommt diese Grundhaltung besonders krass zum Ausdruck. Sie erklären von vornherein etwa die Hälfte der Probanden – in diesem Fall also etwa 30 Mio. Wahlberechtigte – für unentschlossen oder noch unfähig, sich ihre eigene Meinung zu bilden. Tatsächlich entziehen sich etwa drei von vier Befragten (bzw. Probanden in einem typischen Sample) der Zuordnung ihrer Meinung im Sinne der Befragung, indem sie gar keine Antwort geben oder z.B. „weiß nicht“ angeben. Damit sind solche Umfrageergebnisse zunächst nur eine Makulatur, da sie hauptsächlich aus „Dunkelziffern“ (oder Nicht-Antworten) bestehen: Glaubwürdige Antworten sind quasi eine Randerscheinung. Dennoch schaffen es die Meinungsforscher mit ein paar Tricks, ihre schrägen Umfragewerte jeweils als den neuesten Trend oder gar als „Spiegelbild“ der öffentlichen Meinung anzupreisen. Für die Auftraggeber aus dem politischen Betrieb und den Medien ist das Geschäft mit den Meinungsquoten ohnehin bloß ein Teil der Wahlkampagne.

Die Sternstunde der politischen Astrologie ist die Wahlprognose

Für die Zwecke der Quantifizierbarkeit müssen die Meinungsforschungsinstitute „wichtige Themen“ oder „wichtige Eigenschaften“ der Kandidaten etc. herausfiltern und anhand eines „Themen-Katalogs“ abfragen. Im wirklichen Leben gibt es jedoch keinen Menschen, der sich bei seiner Wahlentscheidung an einem offiziell ausgefilterten Katalog orientiert.

Die Repräsentativität der Umfragen basiert sodann auf einer kleinen Stichprobe, die durch telefonischen Kontakt erhoben wird. Bis zu 80% der repräsentativ Auserwählten (Sample), die zuerst angefragt werden, ist allerdings heutzutage entweder nicht erreichbar oder verweigert das Gespräch (legen auf, geben keine Antwort auf die Fragen oder reden sich höflich heraus). In ihrer Not helfen sich die Meinungsbefrager vor allem mit einem Trick: Jede mögliche verbale Regung des Probanden (etwa bedeutungsloses Komment: „Ich bin noch unentschlossen“, sprich: „Lass mich in Ruhe“) wird als Antwort auf die „Sonntagsfrage“ notiert. Dennoch kommen bei solchen Befragungen entschieden zu wenige Antworten zusammen. Daher greifen die Meinungsbefrager zu einem weiteren Trick: es werden – über das eigentliche Sample hinaus – immer neue Probanden angesprochen, bis die magische Anzahl von 1058 antwortbereiten Probanden erreicht ist. Allerdings geht die Repräsentativität der Umfrage durch diese „Ergänzungsprobanden“ verloren, da durch die Antwort-Verweigerung eine zweite – methodisch nicht abgesicherte – Auswahl erfolgt. Mit anderen Worten ist davon auszugehen, dass nur ein Wählertyp bereitwillig auf den Themen-Katalog reagiert und seine Favoriten (Kandidat, Partei etc.) nennt. Solche Verzerrungen in der Stichprobe können in einer sehr kleinen Zahl noch toleriert werden, jedoch führt eine Verweigerungs- und Nicht-Antwort-Quote von 70-80% die Erhebung ad absurdum.

Im Ergebnis ist die Ansammlung von bedeutungslosen Kommentaren und höflichen Ausreden, die die Meinungsforschungsinstitute für bare Münze auf dem Meinungsmarkt verkaufen, sehr umfangreich. Daraus entstehen subversive Theorien über den „unentschlossenen Wähler“, Effekt der „last minute swing“, „Erst-in-der-Kabine-Entscheidung“ etc. All solchen Theorien sind freilich als bloße Ausreden zu bewerten, die die miserable methodische Grundlage und/oder die schlampige Arbeit der Meinungsforschungsinstitute vertuschen soll. Gerade einmal 600 ernstzunehmende Antworten (incl. Ergänzungs-Probanden in einem typischen Sample) bleiben den Meinungsforschern als Basis für ihre fraglichen Prognosen über das Wahlverhalten der gesamten Wählerschaft.

Hinzu kommt ein weiteres Problem der heutigen Meinungsforschung, das die meisten Institute ignorieren, obwohl es zu einer offensichtlichen Verzerrung in der Stichprobe führt: Der telefonische Kontakt mit den Probanden wird in der Regel nur über das Festnetz hergestellt, d.h. unverhältnismäßig viele ältere Wähler werden erreicht, während eher moderne oder technisch versierte Wähler ohne Festnetzanschluss unterrepräsentiert sind. Auch die zusätzlichen Probanden werden ebenfalls über Festnetznummer angeklingelt (wenn überhaupt), d.h. noch mehr ältere Wähler. Damit geht die zweifelhafte Repräsentativität endgültig verloren.

Diese unheilvolle strukturelle Entwicklung der Meinungsforschung wird durch einen härteren Wettkampf auf dem Meinungsmarkt – und insgesamt unsichere Marktbedingungen – weiter beschleunigt. So treibt insbesondere die Konkurrenz unter den Meinungsforschungsinstituten seltsame Blüten. Gerade wegen der unübersichtlichen Methodik und der fragilen bis zweifelhaften Datenbasis ist die Versuchung groß, Entwicklungs- und Erhebungskosten zu sparen, indem Zahlenreihen bloß „fortgeschrieben“ oder durch eigens entworfene „Analyseinstrumente“ und Zusatzformeln ins gewünschte Lot gebracht werden. Aufgrund von informellen Berichten früherer Mitarbeiter und (schlecht bezahlter) Hilfskräfte der Meinungsforschungsinstitute ist jedoch anzunehmen, dass das „statistische Mogeln“ und das „Frisieren“ der Ergebnisse dem leitenden Personal vorbehalten ist. Hinzu kommt noch der ubiquitäre Hang zum künstlichen Erzeugen von Signifikanz, um den Auftraggebern (meisten aus der Medienbranche) eine brauchbare Schlagzeile zu liefern.

Besonders unangenehm fiel das Forsa-Institut in diesem Bundestagswahlkampf bisher auf. Abgesehen von den absurden Prognosen (CDU gut 40%, SPD gut 20%), die das Meinungsinstitut wöchentlich fortschreibt, hat der Gründer und Geschäftsführer des Forsa-Instituts, Manfred Güllner, für sich eine Gesetzeslücke entdeckt: Wenn man im Namen eines Meinungsforschungsinstituts und auf der Grundlage von Umfrageergebnissen (die weder einsehbar sind noch validiert werden können) eine Diffamierungs- und Verleumdungskampagne gegen den SPD-Kanzlerkandidaten reitet, dann kommt er straffrei davon. Es hat sich allerdings herumgesprochen,

„dass der Forsa-Mann in der Szene der Meinungsforscher nicht den besten Ruf hat. Dort wird mit Blick auf Güllners spektakuläre Umfragen schon mal gelästert, dass dieser vor Umfragen „seine Würfel“ raushole.“ (Spiegel am 19.04.13)

Die Tatsache, dass der politische Zynismus eines alten vergrämten Mannes aus der Meinungsbranche in den Medien gern genommen und mehrfach publiziert wird, zeigt einmal mehr, dass einigen Medienhäusern die Qualität solcher Wahlprognosen gleichgültig ist: Sie drucken diese Zahlen wöchentlich zur Unterhaltung ab – gerne in der Spalte zwischen dem Horoskop und den Lottozahlen.

Faktisch liegen die Meinungsforschungsinstitute „am Ende des Tages“ in ihren Prognosen gründlich und regelmäßig daneben. Es war im Januar dieses Jahres bei der Landtagswahl in Niedersachsen so (CDU 5% zu hoch, und vor allem völlige Fehleinsetzung der FDP), aber auch bei den letzten Bundestagswahlen 2009 und 2005 (wo die Fehler teilweise über 5% betrugen). Die pseudo-wissenschaftlich durchgeführten Befragungen ähneln immer mehr einer politischen Astrologie: Aus Markt- & Meinungsforschung sind „Meinungsinstitute“ der Meinungsmacher geworden. Die alte Bezeichnung M&M-Institut steht nunmehr für Meinungs-Macher-Institut.

Drei Gründe für Merkels Niederlage am 22.09

Die für den aktuellen Wahlkampf gravierenden Fehler in der Sonntagsfragerei der Meinungsinstitute betreffen drei verschieden Sachverhalte, die alle zu Ungunsten der Merkel-CDU ausfallen werden:

Erstens rechnen die M&M-Institute den Zweitstimmenanteil der CDU/CSU regelmäßig etwa 5% zu hoch; ferner stellt sich die Frage, warum CDU/CSU – nach einer Reihe von verlorenen Landtagswahlen – gerade jetzt auf die prognostizierten 40% der Wählerstimmen zulegen wird?

Zweitens können die schlichten telefonischen Meinungsumfragen offensichtlich die besonderen Umstände in den einzelnen Bundesländern nicht berücksichtigen. Folgende Analyse zeigt, dass insbesondere Nordrhein-Westfalen eine wahlentscheidende Rolle spielen wird.

Drittens ist aus den Falschprognosen der Meinungsinstitute bekannt, dass sie besondere Schwierigkeiten mit dem Phänomen des „versteckten-Potentials-der-Kleinparteien“ haben, insbesondere wenn die Kleinparteien erstmals zur Wahl antreten – wie im Falle der „Alternative für Deutschland“ (AfD).

Alle drei Sachverhalte können nicht mit bloßen Meinungsumfragen erhoben werden, vielmehr sind methodisch anspruchsvollere Verfahrensweisen und überprüfbare Analysen unumgänglich.

1. Grund: Erhebliche Stimmenverluste der CDU in fast allen Wahlen seit 2009

Eine präzise Datenbasis für eine zuverlässige Aussage über die kommenden Bundestagswahlen bilden zunächst die Wahlergebnisse vergangener Bundes- und Landtagswahlen. Auch die Haupttendenz im realen Wahlverhalten seit der letzten Bundestagswahl 2009 kann anhand der Daten der letzten Landtagswahlen analysiert werden. Das ist natürlich wenig spektakulär, jedoch seriös und allemal zuverlässiger als die politische Astrologie der Meinungsmacherinstitute.

Seit der Bundestagswahl 2009 hat die CDU in den einzelnen Landtagswahlen nicht nur in absoluten Zahlen der Wählerstimmen, sondern auch im Vergleich zu den anderen Parteien proportional hohe Verluste hinnehmen müssen. Am höchsten wohl in Hamburg am 20.02.2011: eine historische Niederlage von minus 20%. In den NRW-Landtagswahlen am 13.05.2012 sackte die CDU dagegen „nur“ um 8,3% ab und bekam gerade 2 Mio. Zweitstimmen (verlor etwa 600.000 Wähler). In Niedersachsen am 20.01.2013 – bislang die letzten Landtagswahlen – verlor die CDU abermals 6,5% (und somit ging für die CDU nicht nur die Landesregierung verloren, sondern auch der Bundesrat).

Die Gretchen-Frage lautet nun: Sind diese Verluste trotz oder wegen der Kanzlerin Merkel zustande gekommen? Zumindest bei den letztgenannten Wahlen hat sich die Kanzlerin mit allem, was sie zu bieten hatte, für den durchaus populären Kandidaten David McAllister ins Wahlkampfgetümmel geschmissen: Reden gehalten, Kandidaten gelobt, Unterstützung fürs Land Niedersachsen versprochen und ausdrücklich um beide Stimmen für den CDU-Direktkandidaten und die Partei geworben, und zwar unwiderlegbar mit dem genannten miserablen Ergebnis – eines der schlechtesten für CDU seit Jahrzehnten in Niedersachsen.

In den beiden ausstehenden Landtagswahlen in Hessen und Bayern wird sich dieser Trend wohl fortsetzen: In Hessen ist der Kandidat der CDU, Volker Bouffier, so populär wie eine Frostbeule am Fuß und in Bayern glänzt der CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer durch haltlose Sprüche, die allerdings von CSU-Filz und -Korruption (bzw. Speziwirtschaft), Justizskandalen, dubiosen Landesbankgeschäften, Beschäftigung von Ehefrauen und Kindern in den Parlamentsbüros etc. ablenken sollen.

In der Bundestagswahl 2009 bekam die CDU/CSU knapp 14.7 Mio. oder 33,8 % der Zweitstimmen (ein Verlust von 1,4% gegenüber 2005). Mit diesem Ergebnis konnte Frau Merkel ihre zweite Kanzlerschaft noch antreten. Nimmt man zum Vergleich alle Ergebnisse aus den letzten (meistens verlorenen) Landtagswahlen, dann ergibt sich daraus fast die gleiche Proportion, nämlich 33,5 % der Wählerstimmen. Darum stellt sich die einfache Frage: Warum sollte CDU/CSU gerade jetzt noch groß zulegen können?

2. Grund: Im größten Bundesland NRW hat Merkel nur herum gemurkst

Es sind reihenweise abgeschossene CDU-Hoffnungsträger aus Nordrhein-Westfalen zu beklagen, die aber zugleich potentielle Merkel-Konkurrenten waren – vor allem Friedrich Merz. Den amtierenden Landesvorsitzenden der CDU in NRW, Jürgen Rüttgers, ließ Merkel fallen – und Norbert Röttgen stieß sie sogar erstaunlich tatkräftig hinunter. Interne Kritiker der Merkel-Politik kommen auffallend häufig aus den Reihen der NRW-Abgeordneten (z.B. Wolfgang Bosbach). Es ist daher kein Wunder, dass von der NRW-Basis bis hinauf zu mittleren Funktionsträgern Argwohn bis große Frustration gegenüber Merkel und der Bundespartei vorherrscht. Hierfür gibt es weitere sachliche landespolitische Gründe:

  • Es gibt keine angemessene NRW-Vertretung im Kabinett Merkel. Nach der eindeutigen Geste der Entlassung des Umweltministers Norbert Röttgen – des letzten NRW-Mohikaners – hat die NRW-CDU dort nur eine klägliche Stimme, nämlich die des Bundesministers für ganz besondere Aufgaben, Ronald Pofalla. Bislang galt Pofalla bei den Journalisten als „das Phantom“, das gelegentlich nur durch unflätige Äußerungen auffiel („Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen“ so wörtlich zum NRW-Kollegen Wolfgang Bosbach). Als MdB ist Merkels treuester Diener aber leise und extrem inaktiv (in letzten vier Jahren im Parlament hat Pofalla eine einzige Rede gehalten und an einem Gesetzentwurf mitgewirkt). Wenn jedoch der Rekordhalter im parlamentarischen Nichtstun etwas anpackt, wie z.B. die Verteidigung der Bürgerrechte gegenüber ausländischen Spionagenetzen (PRISM etc.), dann fegt Pofalla sie sofort „vom Tisch“ – beziehungsweise kehrt sie unter den Teppich!
  • Bei der Besetzung der Ministerposten im Kabinett folgte Merkel meist der Regel: Länderquote vor Qualität und Erfahrung. So lief es z.B. beim Ministerwechsel, Franz Josef Jung (raus) und Kristina Schröder (rein) – Hauptsache Hesse! Beim Röttgen-Rausschmiss ließ sie diese Regel jedoch nicht mehr gelten (und es kam noch schlimmer – ein Saarländer!) Hier ließ Merkel jedes Länderquoten-Augenmaß und Vernunft vermissen, das ihr in der NRW-CDU sehr übel genommen wurde.
  • Es fällt auf, dass das CDU-Hauptquartier in Berlin aktuell ohne ernsthafte NRW-Vertreter die Politik des Stillstandes verwaltet: Das ungleiche Führungspaar der NRW-CDU, Armin Laschet und Karl-Josef Laumann, wird als Leisetreter und Bauerntrampel in der CDU-Zentrale in Berlin nur belächelt. Das mit Abstand größte Bundesland hat bei der CDU in Berlin keine Fürsprecher und keine effektiven Netzwerker. Verglichen mit der Interessenvertretung Bayerns und ihrer schier überschwänglichen Machtfülle auf allen Ebenen des Staatsapparates, wirkt sich dieses Defizit für das ganze Land NRW verheerend aus.
  • In den einzelnen NRW-Wahlbezirken kämpft jeder CDU-Kandidat zwar eifrig um das Direktmandat für den Bundestag, aber meist mit Verzicht auf Merkel oder prominente Unterstützung aus Berlin. Die CDU-Kandidaten führen einen eigenständigen Kampf um die Erststimme – die Zweitstimme für die Merkel-CDU wird zur Nebensache.

Die typischen CDU-Wähler in NRW könnten durch Wahlenthaltung (oder durch sogenannte „Leihstimmenvergabe“ an FDP oder AfD) entscheidend zur Niederlage der Bundes-CDU beitragen.

3. Grund: Merkel-CDU seht ohne Abwehr gegen die „Alternative für Deutschland“ (AfD) da

Die „Alternative für Deutschland“ okkupiert klassische CDU-Themen, die unter Merkel vernachlässigt oder verworfen wurden. In einigen der wichtigsten Entscheidungsarenen, etwa den „klassischen Stammtischen“, könnte die AfD der CDU die Meinungshoheit streitig machen, sowohl in Migrations- und Integrationsfragen als auch und vor allem im Hinblick auf die europäische Integration und die defizitäre EURO-Politik.

  • Das Versagen der Gipfel-Kanzlerin wird in Kreisen wichtiger CDU-Multiplikatoren durch die „verlorenen Söhne“ (und „rechtschaffenen Patrioten“ von ganz rechts), die sich in der AfD versammelt haben, thematisiert. Die geballte Wirtschaftskompetenz der AfD-Professoren, die in den Talk-Runden durchweg bella figura machen, wird in der ohnehin autoritätsgläubigen CDU-Anhängerschaft einige Wirkungstreffer erzielen.
  • Die CDU findet keine angemessene Verteidigung gegen die AfD-Argumente, da die Mandatsträger bei einer inhaltlichen Auseinandersetzung Gefahr liefen, ihre erzkonservative Wertegemeinschaft der CDU-Senioren zu vergraulen. Jedes Argument gegen AfD klingt wie ein Verrat an der (unter Merkel vergessenen) ideologischen Grundüberzeugung eines in der Kohl-Ära gereiften CDU-Wählers. Eine informelle Gegenoffensive der CDU-Strategen besteht daher bloß in unpolitischen oder formalen Behauptungen: „Eine Stimme für AfD ist eine verlorene Stimme“, oder der Diffamierung des Gegners: „Der AfD-Kandidat ist eine seeeehr zwielichtige Person“ etc.
  • Wie die Ironie der Merkel-Story es so will, ist die merkantilistische AfD gekommen, um Licht in ihren EURO-Nebel zu bringen: In typischer CDU-Manier schürt AfD alte und neue Ängste und stellt nachhaltig die Führungslosigkeit des Berliner Grusel-Kabinetts bei der Euro-Retterei fest. Hinzu kommt noch, dass eine weitere Stufe der Euro-Rakete kurz vorm Wahltermin zu starten droht: Zum x-ten Mal die endlose, stimmungs-tötende Griechenlandpleite und die 190 Milliarden schwere Last der von Merkel und Schäuble geschnürten „Hilfspakete“, die die Deutschen letztendlich bezahlen werden müssen – mit ihren Steuern, Ersparnissen und der Lebensqualität im Alter.

Die „Alternative für Deutschland“ – ob im Parlament oder draußen vor – wird Merkel nicht nur entscheidende Wählerstimmen wegnehmen, sondern die Stammwähler der CDU desillusionieren und die CDU-Helfer demoralisieren. An den Wahlkampfständen stehen die CDU-Helfer gegenüber AfD recht hilflos und ohne Argumente da – blank und düpiert.

Das Pendel der „öffentlichen Meinung“ schlägt um

Die persönliche Wahlentscheidung ist ein recht stabiler und universeller Prozess, der mehrere Entscheidungsetappen durchläuft. Die „öffentliche Meinung“, insbesondere vertreten durch die Printmedien der großen Medienhäuser sowie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, erweist sich hingegen als ein instabiler und zufälliger Prozess. Scheinbar urplötzlich schlägt das Pendel der „öffentlichen Meinung“ um – und weder der Zeitungsmacher noch der Meinungsmacher kann erklären, warum die über Monate andauernde Anti-Peer-Kampagne in den Medien sich ins Gegenteil wandelt. In langen und langweiligen Erklärungsversuchen bemüht der Meinungsforscher inhaltsleere Behilfskategorien – wie etwa unberechenbare „Wechselwähler“ oder wilde „Protestwähler“ – und die Mär von den „unentschlossenen Wählern“ wird nochmals aufgewärmt. Es bleibt dabei: Aufgrund seiner tiefen Missachtung des (unberechenbaren/ wilden/ unentschlossenen) Wählers kann – und will – der Meinungsforscher den Entscheidungsprozess des Wählers nicht verstehen.

Es ist vielmehr davon auszugehen, dass jeder gut informierte Bürger (und das sind die meisten) sein eigenes politisches Urteil permanent, während der politische Betrieb läuft, fällt. Gelegentlich ergänzt er seine Meinung, aber schon Monate vor den Wahlen trifft er seine persönliche Wahlentscheidung. Während des Wahlkampfes korrigiert er diese Entscheidung nur in einigen Nuancen: Inhaltliche Schwerpunkte werden verschoben und politische Aspekte neuer Informationen aufgenommen. Einige finden allerdings kein passendes Produkt auf dem Markt, d.h. ihren politischen Vorstellungen wird von keiner Partei entsprochen oder sie sind von den alten Parteien zu sehr enttäuscht worden. Von ausschlaggebender Bedeutung ist allerdings, dass immer weniger Menschen ihre schon längst getroffene Wahlentscheidung mit einem Kreuz auf dem Wahlzettel vollenden wollen: Von über 60 Mio. Wahlberechtigten 2013 werden voraussichtlich etwa 20 Mio. von diesem demokratischen Recht keinen Gebrauch machen. Die Nichtwähler waren schon bei den Bundestagswahlen 2009 mit Abstand die größte Gruppe – und darum auch auf ihre Art „wahlentscheidend“.

In Wahlkampfzeiten bieten sich eine Vielzahl von Arenen an, in welchen um Einstellungspositionen gerungen wird. Jeder wird seine bereits getroffene Wahlentscheidung dort für sich nochmals prüfen (wenn er möchte). Sie wird nicht durch ein einmaliges Erlebnis oder einen plötzlichen Einfall etc. getroffen oder verworfen, vielmehr handelt es sich um eine lange Verlaufskurve, die mehrere Entscheidungsebenen und -arenen (mit Unterbrechungen) durchläuft. Die einflussreichsten Entscheidungsarenen können in folgender Reihenfolge aufgelistet werden:

(1)    Der engste Freundeskreis (häufig nur der Lebenspartner oder die Familie)

(2)    Der „klassische Stammtisch“, der nicht nur in der Kneipe mit den Kumpels gefeiert wird, sondern in der Kantine mit Arbeitskollegen und im erweiterten Bekanntenkreis, ob im Sportklub oder irgendeinem Verein etc.

(3)    Die eigene Netzgemeinde: Sie setzt sich zusammen aus den Akteuren der einzelnen Social Media – vor allem Twitter (via Follower), Foren der Online-Medien, YouTube-Kanäle etc., aber auch auf Facebook, Google+ etc.

(4)    Der politische Hausbesuch – so wie er von den Obama-Anhängern in den Wahlkämpfen um die letzten beiden Präsidentschaften in den USA praktiziert wurde.

(5)    Der „typische Straßenwahlkampf“ wird auf den öffentlichen Wahlveranstaltungen gefochten, aber auch an den Ständen der Parteiorganisationen in den Fußgängerzonen, sofern es überhaupt zu persönlichen Gesprächen kommt.

(6)    Die herkömmlichen PR-Maßnahmen (incl. Plakatierung, TV-Werbespots, Prospekte, postalische Flyer-Verteilung, Zeitungsanzeigen etc.) bilden lediglich eine Entscheidungsarena unter vielen.

(7)    Der politische Journalismus und die pseudo-wissenschaftlichen Meinungsforschungsinstitute stellen – wie oben beschrieben –  eine eigenständige Plattform oder Arena da, die neben den Star-Journalisten und Meinungsforschern unter anderem von Buchautoren (Politiker-Autobiographien, Reportagen etc.) bis hin zum politischen Experten (z.B. der „renommierte Politikwissenschaftler“ im Radio) bevölkert wird.

(8)    Die vom politischen Establishment autorisierten Institute (u.a. die „fünf Wirtschaftsweisen“, die OECD-Analysen bis hin zum Wahl-O-Mat der bpb) bilden eine offiziell kontrollierte Entscheidungsarena.

(9)    Die geistig-moralische Diskursarena, in welcher die Prominenz bzw. große Autoritäten der politischen Betriebsamkeit bis hin zu herausragenden Intelektuellen – von Henryk M. Broder bis Jürgen Habermas –, um die Interpretationshoheit ringen.

Jede Entscheidungsarena hat ihre eigenen Themen und eigene Logik und bildet nur eine Instanz in der Verlaufskurve der individuellen, politischen Entscheidung. Hier interessiert zunächst nur: In welche parteipolitische Richtung geht die Tendenz in den jeweiligen Entscheidungsarenen? Für wen schlägt das Pendel der „öffentlichen Meinung“? – und wie können diese Ausschläge sozialwissenschaftlich (einigermaßen zufriedenstellend) ergründet werden?

(1)    Der engste Freundeskreis ist weitgehend von jeglicher parteipolitischer Einflussnahme abgeschirmt. In dieser wichtigsten aller Entscheidungsarenen ist daher keine Prognose der politischen Richtung möglich. Dazu bedürfte es eines qualitativen Untersuchungsdesigns (u.a. mit narrativen Interviews).

(2)    Der „Stammtisch“ war immer schon das Hoheitsgebiet des konservativen Lagers, da hier vor allem solche Themen „nachhallenden“ Anklang fanden, die die Urbedürfnisse und Urängste berühren (u.a. sogenannte „German Angst“). Jahrzehntelang konnte CDU/CSU mit xenophoben Parolen punkten (z.B. die Bedrohung einer „durchmischten und durchrassten Gesellschaft“, wie der CSU-Kanzlerkandidat 2002, Edmund Stoiber, formulierte). Inzwischen bedient nur noch Horst Seehofer mit der Forderung nach „Ausländer-Maut auf den Autobahnen“ den Stumpfsinn der Ausländer-Diskriminierung. Neben den rechtsextremen Kleinparteien sind vor allem die Euro-Skeptiker von AfD dabei, den Platz der CDU an den Stammtischen einzunehmen: Inflationsgefahr, Altersarmut etc. als Folge der katastrophalen CDU-Euro-Politik. Sollte der AfD eine größere Aufmerksamkeit in den letzten Tagen des Wahlkampfes zukommen, dann werden sie auf dieser Entscheidungsarena gegen CDU nachhaltig punkten.

(3)    Die Netzgemeinde und das Internet – für die Kanzlerin Merkel immer noch dubioses „Neuland“ – ist schon jetzt die dritt-wichtigste Entscheidungsarena geworden. Die Möglichkeiten zur Auswertung der Sozialen Medien sind schon sehr vielversprechend (quasi Totalerhebung), aber von den Meinungsforschungs-Instituten bislang ungenutzt geblieben. Der Grund dafür mag darin liegen, dass sie die Bedeutung dieser Arena in Wahlkampfzeit nicht erkannt haben, oder eher: Die begrenzten Möglichkeiten der Manipulation macht eine solche Analyse für die Meinungsmacher von vornherein uninteressant. Ein gutes Beispiel für ein selbstfinanziertes Projekt, das keine Meinung machen will, ist der „Twitter-Radar“. Er bildet live alle Twitter-Meldungen zu #btw13 ab und gibt somit einen grandiosen Ausblick auf die Präferenzen in diesem Teil der Netzgemeinde. Ein paar aktuelle Zwischenergebnisse: Seit Beginn der Erhebung (16.08.2013) gab es im direkten Vergleich #Steinbrück und #Merkel die mit Abstand meisten negativen Kurzmeldungen zu #Merkel und #CDU. „Twitter-Radar“ nahm ab 06.09.2013 alle sieben für den Bundestagswahlkampf relevanten Parteien auf. Am positivsten werden gerade die kleinsten Parteien getweetet:  #Piraten (20%) und #AfD (22%), wobei AfD etwa gleich viele negativen Meldungen (20,4%) bekommt, d.h. zurzeit polarisiert AfD extrem. Alle anderen Parteien sind weit unter 10% positiver Meldungen. Vom 06. bis 09.09. (Stand 19:00 Uhr) gab es insgesamt 20.300 Kurzmeldungen (#btw13 etc.), davon die meisten zu den #Piraten (5870 Tweets, davon 1,6% negativ), gefolgt von #CDU (4395, 19% negativ), #AfD (3690, 20,4% negativ), #SPD (2310, 11% negativ), #FDP (1570, 16% negative), #Linke (1400, 3,3% negativ, aber 8,6% positiv). Zu den Grünen hat man am wenigsten was zu melden (1030 Tweets, davon 12% negativ). Alle diese Zahlen sind real; per Klick auf ein Hashtag können die tagesaktuellen Meldungen eingesehen werden. – Ein weiteres ebenfalls interessantes Instrument – twitterwahlen.de – ist seit 09.09.13 online: Dort kann jeder mit seinem Twitter-account und -namen auf Bundestagswahl 2013 auf Twitter eine Stimme für eine Partei abgeben. (Zehn Parteien sind im Angebot – zurzeit liegen die Piraten weit vorne, gefolgt von der SPD; Stand 10.09.13).

(4)    Der politische Hausbesuch ist in Deutschland eine neue Entscheidungsarena und bislang ernsthaft nur von der SPD betreten worden. Aufgrund des beratenden oder aufklärerischen Dialogcharakters der Begegnung muss ihre Bedeutung dennoch sehr hoch eingeschätzt werden. Sie ist insbesondere dann wirksam, wenn sie durch bekannte oder prominente Parteimitglieder erfolgt. Sollten die SPD-Anhänger tatsächlich den angestrebten 5 Mio. Hausbewohnern einen solchen Besuch abstatten, wird das entscheidende Punkte in Bezug auf die Wahlbeteiligung geben – pro SPD.

(5)    Im „typischen Straßenwahlkampf“ schlagen sich wiederum – wie von der Front berichtet wird – die kleinen Parteien besonders tapfer: Die Linken, Piraten und AfD. Dagegen schwächeln CDU und FDP, aber auch die Grünen, zusehends. Die SPD-Helfer sind allerdings – nach dem TV-Duell hochmotiviert – mit besonderem Drive unterwegs.

(6)    Die kostspieligen PR-Maßnahmen sind für die Präsenz und Sichtbarkeit der Kandidaten weiterhin unverzichtbar, aber als eine Arena für die Wahlentscheidung wird das Plakatieren und Prospekte-Verteilen maßlos überschätzt. Ihre Funktion besteht vielmehr darin, die potentiellen Wähler an die Bundestagswahl zu erinnern beziehungsweise an die Wahlurne zu treiben. Im Hinblick auf die allgegenwärtige Präsenz haben die großen Parteien auch ihre Großen Nasen vorn, während die Kleinen notgedrungen auf kostensparende und subtilere Öffentlichkeitsarbeit setzen. Auf dieser Entscheidungsarena bleibt daher alles beim Alten.

(7)    Die politischen Journalisten bilden sich gerne ein, die „vierte Gewalt“ im Staate zu sein. Nüchtern betrachtet, sind sie (zusammen mit den „politischen Astrologen“ und anderen mehr) die Hauptakteure auf der 7. Entscheidungsarena. Seit Anfang des Wahlkampfjahres standen sie stramm auf der Seite des politischen Establishments beziehungsweise der Regierungskoalition. Je prominenter der Akteur des politischen Betriebs ist, desto devoter ist die Berichterstattung gewesen. Im Cicero ist die Rede von „Jubeljournalismus“ anlässlich eines ZDF-Portraits der Kanzlerin (O-Ton: „Popstar der Politik“!) und einer Art „höfischen Huldigung Merkels und ihres Parteiengefolges. Die Kanzlerin so apolitisch wie noch nie.“ (Cicero vom 15.08.2013). So wie die Politikverdrossenheit (oder eher Politikerverdrossenheit) Land auf Land ab beklagt wird, so ist ebenfalls eine „Meinungsmacher“-Verdrossenheit in der Bevölkerung auszumachen. Sie betrifft vor allem solche (Chef-) Redakteure, die noch ohne Personal- und Gehaltskürzung davon kamen, allerdings sich ihre „journalistische Freiheit“ nur deshalb bewahren konnten, weil sie ohnehin (und immer schon) in ihren Leitartikeln und Meinungskolumnen konform mit der Verlags- beziehungsweise Geschäftsleitung gingen. Wie erzürnt der gut informierte Bürger über die „Meinungsmacher“ ist, kann in den Foren-Kommentaren der namhaften Printmedien und der öffentlich-rechtlichen Sender tagtäglich verfolgt werden. Etwa seit dem gigantischen 150 Jahre Feier der SPD (halbe Million Besucher) Mitte August in Berlin – spätestens aber seit dem TV-Duell – ist auch auf dieser Arena eine Pendelbewegung der „öffentlichen Meinung“ zu beobachten: Dem Herdentrieb folgend schreiben die „Qualitätsjournalisten“ ihre Wahlkampferzählung nochmals um: Aus „Polit-Popstar Merkel“ wird (vor allem nach dem G20-Gipfel) die peinliche „Zick-Zack Merkel“ – und aus „Peer der Bürgerschreck“ wird plötzlich „Peer der Lieblingsbär“!

(8)    Die vom politischen Establishment autorisierten Institute liefern in der Regel gesellschaftliche Analysen für den „großen Zusammenhang“ und vor allem zukunftweisende wirtschaftliche Prognosen. Auch wenn sich diese Prognosen regelmäßig als falsch erweisen, liefern sie wichtige Orientierungshilfen – sowie den Stoff für die Hoffnungen und Sorgen der Wähler, aber auch einen großen Spielraum für wilde Spekulationen und Phantasien. In den letzten Wochen des Wahlkampfes wird der Wahl-O-Mat – wie schon bei der Bundestagswahl 2009 – auf dieser Entscheidungsarena eine besondere Rolle spielen. Es handelt sich hier um ein „interaktives Wahltool“ der Bundeszentrale für politische Bildung – quasi ein Computerspiel mit vielen Parteien und großen Überraschungen. Am Ende des aufklärerischen Spielchens wundert sich der Teilnehmer meisten sehr über seine politischen Prioritäten – und entdeckt häufig andere Parteien, von denen er wenig wusste.

(9)    Die geistig-moralische Diskursarena wird hier nur an 9. Stelle der wichtigsten Entscheidungsarenen genannt: Die schon längst ausformulierte Wahlentscheidung eines jeden Bürgers wird hier nur geistig-moralisch amplifiziert. In der Endphase des Wahlkampfes konnte ihr dennoch eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Wählermobilisierung zukommen, nicht jedoch für die Wahlentscheidung per se.

Die komplizierte Verlaufskurve der kollektiven Wahlentscheidung kann nur Etappe für Etappe anhand individueller Beweggründen, aktueller Themen und universaler Logik der jeweiligen Entscheidungsstufe analysiert werden.

Wer aber gerne die Geschichte vorweg nehmen und z.B. die Wahlergebnisse von 22.09 schon jetzt kennen lernen möchte, demjenigen kann nur empfohlen werden: Mach die doch selber! Beim Spiegel-Online kann man sogar beim passenden Wahl-Tipp ausgelobte Preise gewinnen: Der aktuelle Stand (am 09.09.2013) bei der Spiegel Schwarmintelligenz sieht wie folgt aus: CDU/CSU 37,9; SPD 26,7; FDP 5,8; Linke 7,4; Grüne 13,8; Piraten 3,3; AfD 2,8 und Sonstige 2,3. Wer aber Geld investieren möchte, kauft sich ein paar Aktien bei der PESM Wahlbörse. Folgende Aktien werden dort aktuell gehandelt: CDU/CSU 37,0; SPD 24,1; FDP 6,8; Linke 8,0; Grüne 11,5; Piraten 3,3; AfD 5,9 und Sonstige 3,3.

Am Ende des Tages werden solche Wahlwetten in punkto Spaßfaktor und Genauigkeit dem „Horoskop“ der politischen Astrologen aus den Meinungsinstituten weit überlegen sein. Jede Wette!?

Aktualisiert: News-Ticker und digitale Werkbank für Soziologen sowie das PlanFors-Paper: „Führungsstil und Lebensform“

PlanFors hat erneut zwei „Nebenprodukte“ der täglichen Arbeit in einer aktualisierten Form ins Netz gestellt. Es sind die bereits erprobten Science-Mashups www.soznews.de und www.infosoz.de, die nunmehr der Community der Soziologiestudenten und den aktiven Sozialwissenschaftlern zur Verfügung stehen. Diese beiden Mashups sind kostenlos und frei von Werbung. Allerdings wären wir für kleine Praxis- & Erfahrungsberichte über die Nutzung und Zweckmäßigkeit der zusammengestellten Feeds, Widgets & Links dankbar. Es ist voraussehbar, dass es 2012 immer weniger Unterstützung der RSS-Feed- und Widgets-Technik im Browser geben wird. Umso mehr sind die User zukünftig auf Mashups angewiesen, die auf ein ausgefeiltes und stabiles Social Media Management – wie etwa netvibes.com – aufbauen.

Außerdem haben wir unlängst ein weiteres PlanFors-Paper von Georg Wüstefeld hier in den Downloadbereich gestellt: „Führungsstil und Lebensform: Forschungsnotiz zu verhaltenspsychologischen und kultursoziologischen Erklärungsmustern“ (12 Seiten, 2 Tabellen – pdf-Datei). In dieser Forschungsnotiz wird eine Übereinstimmung in der Typologie der Führungsstile und der Lebensformen festgestellt und systematisch in Bezug auf lebensweltliche Ordnungs- und Konfliktmuster verglichen. Es wird ein komparativer, auf personelle Berufstrajekte zentrierter Ansatz entworfen, der eine empirische Forschung im Rahmen der Führungs-, Management- und Berufsforschung anvisiert.

Ein auf Sozialwissenschaften spezialisierter Nachrichten-Ticker: soznews.de

Der jahrelang erprobte News-Ticker www.soznews.de ist nunmehr noch besser auf das Interessenspektrum der Sozialforscher sowie der Studierenden der Sozialwissenschaften und der angrenzenden Disziplinen ausgerichtet und thematisch erheblich erweitert worden. In diesen Science-Mashup werden knapp 100 relevante Websites verlinkt, hauptsächlich basierend auf der bewährten RSS-Feed-Technik, mit rund 8500 Items & Feeds, die das weite Feld der Online-Dienste abdeckt. Jeder einigermaßen versierte User wird diesen umfangreichen News-Reader auf seine besonderen Interessen reduzieren können.

Neben den bekannten und weniger bekannten Nachrichtenquellen, etwa die Info-Dienste der Wissenschaftsinstitute und Hochschulen, wird der User eine Reihe anderer fachlich spezialisierter Websites auf soznews.de entdecken können: Von den internationalen Social Science Blogs über die versammelte Gilde der Alpha-Blogger hier zu Lande bis hin zu den auf Web 2.0 Science konzentrierten News-Ticker und Beta-Software, eine Auswahl der eindeutigen Open Access Journals sowie die auf fachliche Rezensionen spezialisierten Zeitschriften und Literatur-Portale, sowohl studentische Diskussionsforen (u.a. für Seminararbeiten etc.) als auch die internationalen Plattformen der für die Soziologen interessanten Diskurse usw.

Dieses umfangreiche von PlanFors sukzessiv erstellte soznews.de ist als kostenloser Service für die Scientific Community der Soziologen vorgesehen. Vor allem aber ist dieses News-Mashup als Anregung für die webaffinen Sozialwissenschaftler gedacht: Jeder kann selber seinen eigenen, auf seine Interessen- und Arbeitsgebiet reduzierten Nachrichten-Ticker auf der Grundlage von soznews.de erstellen. Dieser stünde dann immer – „mit einem Klick erreichbar“ – für die tägliche Arbeit parat. So können die einzelnen RSS-Feeds und Widgets auf das eigene Dashboard (bei netvibes.com via die „Share“-Funktion) kopiert werden oder mit einem Browser-Management-Tool bearbeitet werden.

Hier kann jeder den auf Sozialwissenschaften spezialisierten Nachrichten-Ticker soznews.de ausprobieren!

Eine digitale Werkbank des Sozialwissenschaftlers auf infosoz.de

Vor ein paar Monaten hat PlanFors ein neuartiges Science-Mashup hier im Blog präsentiert. Dieser Service www.infosoz.de umfasst neben den Blogs und Microblogs (sowie deren automatisierten Suchaktionen) vor allem eine virtuelle Werkbank samt den wichtigsten digitalen Werkzeugen für den Sozialwissenschaftler. Diese Werkbank wird regelmäßig aktualisiert und um neue Gebiete der Web-2.0-Social-Science erweitert.

Zuletzt betrifft dies vor allem das Publizieren im Web 2.0 sowie den digitalen Handapparat. Die digitale Revolution bietet eine Chance zur Emanzipation des Wissenschaftlers als Autor, da der Urheber von wissenschaftlichen Inhalten mit dem Web 2.0 nunmehr die technischen Möglichkeiten hat, über die Verfügbarkeit seiner Werke selber zu bestimmen. Allerdings ist der Kampf um das Urheberrecht und die Autonomie der kreativen Wissensproduktion lange nicht überstanden. Unter der Rubrik free doc befinden sich neben den Blog-Feeds erprobte Suchmaschinen, die das Auffinden von frei verfügbaren Büchern und Dokumenten erleichtern und ferner technische Instrumente für das kollaborative wissenschaftliche Schreiben. Schließlich werden Plattformen exemplarisch angezeigt, die dem Wissenschaftler beim Publizieren und zum Anzeigen seiner Publikationen nützlich sein können.

Der wissenschaftliche Handapparat, der etwas Selbstverständliches für alle Wissensproduzenten (insbesondere für die Wissensreproduzenten) immer schon war, wird allmählich ein fester Bestandteil der virtuellen Arbeitsumgebung einer Web-2.0-Science. Unter der Rubrik Handapparat können wichtige Quellen der Forschungsarbeit: digitale Bibliotheken, Dokumenten-Suchmaschinen und Zitationsdatenbanken angeklickt, aber z.T. auch direkt (ohne die Website zu verlassen) benutzt werden. Mittlerweile sind auch dem technikscheuesten Mitglied des akademischen Personals nicht nur die Webangebote von Google und Wikipedia selbstverständlich geworden, sondern auch Übersetzungshilfen und Wörterbücher etc.

Hier kann die virtuelle Werkbank samt ausgewählten Werkzeugen des Sozialwissenschaftlers auf infosoz.de ausprobiert werden!

Ein weiteres PlanFors-Paper: „Führungsstil und Lebensform“

Wie im letzten Blog angekündigt, setzen wir die Arbeit fort, die bislang nicht publizierten PlanFors-Papers nachträglich Online zu stellen. Es handelt sich diesmal um ein Paper von Georg Wüstefeld, das aus der Führungs-, Management- und Berufsforschung entstammt und zuerst 2004 im Kontext von laufenden Forschungsprojekten publiziert wurde: „Führungsstil und Lebensform: Forschungsnotiz zu verhaltenspsychologischen und kultursoziologischen Erklärungsmustern“. Sein Ausgangspunkt ist das Buch von Daniel Goleman, Richard Boyatzis und Annie McKee (2002): „Primal Leadership, Realizing the Power of Emotional Intelligence“, das beiderseits des Atlantiks schnell ein Bestseller wurde und seitdem eine nachhaltige Wirkung im Management zeitigte und neue Perspektiven für die Führungsforschung eröffnet hat. In dem kurzen Text geht Georg aber auch auf Golemans frühere Texte ein, in welchen die qualitativen oder „weichen“ emotionalen Faktoren der Menschenführung untersucht und hervorgehoben wurden.

Für die Konzeptentwicklung von PlanFors ist die Feststellung von großer Bedeutung gewesen, dass es eine definitive Übereinstimmung zwischen den Ordnungs- und Konfliktmustern der sechsteiligen Grundbestimmung des Führungsstils bei Goleman einerseits und den sechs Präsentations- und Lebensformen in den inter-ethnischen Beziehungen andererseits gibt, wie sie in den kultursoziologischen Forschungsergebnissen bereits in den 90er Jahren vorzufinden sind. Folglich liegt die These des Autors nah, dass „Aussagen über Führung nur im soziokulturellen Kontext (als Frage der lebensweltlichen Ordnung) verifiziert werden“ können und nicht nur auf die Ebene der rationalen Handlungen und institutionellen Operationen eingeschränkt werden sollten. Daraus folgt aber auch, dass „nur in begrenztem Maße ein erlernter Führungsstil – in terms of action – auch überzeugend oder effektiv transformiert werden“ kann.

Mit dieser Forschungsnotiz ist die Überführung beider Konzepte in empirische Forschung anvisiert, die die Lebensformen mit den Führungsstilen vergleichen und deren Transformationen überprüfen will:

„Weniger die vorliegenden modellhaften Erklärungsmuster als vielmehr operationalisierbare Begriffe haben Bedeutung über die Grenzen des Faches hinaus. Dergleichen Begriffe finden sich in Primal Leadership in Form einer Zusammenfassung von verhaltenspsychologischen Führungsstilen, die als Probe genommen mit dem kultursoziologischen Pendant der Lebensformen verglichen werden können.“ (S. 1)

Das Paper ist mit dem bewahrten Creative Commons License (by-nc-sa) versehen und kann kostenfrei und sicher unter PlanFors-Paper heruntergeladen werden. Die bibliografischen Angaben lauten:

Wüstefeld, G. (2004): „Führungsstil und Lebensform: Forschungsnotiz zu verhaltenspsychologischen und kultursoziologischen Erklärungsmustern“, PlanFors-Paper 02/2004, [Zugriffsdatum] <URL>

Wie kann die Identitätslandschaft einer Marke erfasst werden? Identity-Scape-Analysis (ISA)

Wir haben ein weiteres Paper online gestellt, das sowohl hier aus dem Downloadbereich als auch via Scribd heruntergeladen werden kann. In diesem 10-seitigen Paper: „Identity-Scape-Analysis (ISA) in der Markenplanung: Ein qualitatives Verfahren der Identitätsanalyse“ geht es darum, wie durch die Triangulation der Messpunkte: Produkt – Unternehmen – Kunde, die Identitätslandschaft einer Marke erfasst werden kann.

In dem erstmals frei zugänglichen Planfors-Paper wird illustriert, dass ausgehend von den Daten dieser drei Messpunkte einzelne Landkarten des Markenbewusstseins angefertigt werden können. Die Identity-Scape-Analysis (als ISA-Modell abgekürzt) greift dabei auf bereits in mehreren Forschungsprojekten nachgewiesene elementare Figuren zurück, um zu ermitteln, welche Identitätsangebote und ‑konzepte das Produkt, der Kunde und das Unternehmen bereit halten. Diese Triangulation ist eine Vorgehensweise, die sich als qualitative Identitätsanalyse von den gängigen Methoden der Markt- und Meinungsforschung unterscheidet.

Zunächst wird in dem Paper die Diskussion um Corporate Identity und ihre Weiterentwicklung in Form der Markenidentität beschrieben. In Anlehnung an diesen Begriff der Markenidentität wird das Konzept der lebensweltlichen Dreiecksbeziehung der Marke mit seinen Messpunkten: Produkt, Unternehmen und Kunde vorgestellt. Schließlich werden einige Folgen der qualitativen Identitätsanalyse für das Verfahren, die Methoden und Theorien der Marktforschung aufgedeckt. Mit diesem Modell wird u.a. eine schlüssige und fundierte Markenplanung eines Unternehmens in hart umkämpften Märkten ermöglicht. Das ISA-Modell kann aber auch auf angrenzende Felder des Marketings übertragen werden – etwa die Marktanalyse des politischen Wahlkampfes. Hier nimmt der Kandidat den Messpunkt des Produkts ein, seine „Wahlkampfmaschine“ (Parteiorganisationen, unterstützende Gruppierungen, Interessenverbände etc.) den Messpunkt des Unternehmens und der Wähler schließlich nimmt den Messpunkt des Kunden ein.

Das Konzept der Identity-Scape-Analysis ist in Zusammenarbeit von Georg Wüstefeld und Fridrik Hallsson bereits vor über zehn Jahren entstanden. Der Text ist sodann in einem Forschungsbericht (über die elementaren Figuren) an die DFG /Deutsche Forschungsgemeinschaft/ im Frühjahr 2003 (Band 2 der Ergebnisse, 4. Kapitel) aufgenommen, aber nicht veröffentlicht worden. Als PlanFors-Paper ist dieser Text jedoch gedruckt und an ausgesuchte PlanFors-Kunden verteilt worden. Diese sehr kurze Darstellung des ISA-Modells erscheint hier insofern zum ersten Mal (in einer redigierten und überarbeiteten Version) und darf nunmehr – unter Beachtung der Creative Commons License – weiter verbreitet werden.

Planungsbüro Forschung / PlanFors hat sich dazu entschieden, ältere Papers, die u.a. Verfahrenstechniken, Modelle und Instrumente der bisherigen Forschungspraxis dokumentieren, nach und nach online zu stellen. Es werden auch einige Vorarbeiten und Konzepte zu verschiedenen Forschungsthemen und ‑projekten folgen.

Dieser Wechsel unserer bisherigen Publikationsstrategie geht die Erkenntnis des Web 2.0 Science voraus, dass der Schutz der Ideen und Instrumente der wissenschaftlichen Arbeit am besten durch Digitalisierung, CC Lizenz und Open Access gewährleistet wird. Mit anderen Worten sorgt die Offenlegung der Texte auf online Publikationsplattformen (z.B. Scribd) und der unbegrenzte Zugang zur Repository am ehesten für Autorenschutz und Aufdeckung von Plagiaten: Um die Urheberrechte an Texten zu sichern, dürfen die Forscher sie weder in der Schublade verschließen noch qua Amt schützen oder gar patentieren lassen, sondern nunmehr möglichst frei – im Geiste des offenen Zugangs der Netze – veröffentlichen. Es mag paradox erscheinen, aber nur das kollektiv Aufbewahrte kann als „geistiges Eigentum“ Einzelner abgesichert werden.

Das Paper kann kostenfrei und sicher sowohl unter PlanFors-Paper als auch via Scribd heruntergeladen werden. Die bibliografischen Angaben lauten:
Wüstefeld, G./ Hallsson, F. (2003): Identity-Scape-Analysis (ISA) in der Markenplanung: Ein qualitatives Verfahren der Identitätsanalyse, PlanFors-Paper 04/2003 [Zugriffsdatum] <URL>

Aktualisiert am 13.10.2011: Siehe auch die Pressemitteilung zum Erscheinen des Papers: openPR und newsmax

Info Soz ist online: Ein kostenloser Science-Mashup für den Sozialwissenschaftler

Seit etwa sechs Jahren benutzt PlanFors die vorbildlichen Dienste von netvibes.com, um einen als „soz news“ spezialisierten News-Ticker stets zur Hand zu haben. Vor knapp drei Jahren haben wir eine kleine Auswahl dieser Feeds und Widgets öffentlich schalten lassen, ohne viel Aufsehen darum zu machen; es war eher für den internen Gebrauch bei der Planung von Projekten gedacht.

Im Frühjahr 2010 hat Netvibes einen weiteren qualitativen Sprung geschafft, indem sie – wie immer: kostenlos und stabil – ein Social Media Dashboard online stellten. PlanFors hat dies zum Anlass genommen, eine neue Variante – www.infosoz.de – zu entwickeln, nunmehr als eine virtuelle Arbeitsumgebung für den Sozialwissenschaftler, und zwar als einen kostenlosen Service. Auf der Webseite von Info Soz geht es um die professionelle Werkbank des Forschers im Web 2.0 und die wichtigsten digitalen Werkzeuge der täglichen Arbeit.

Ein Science-Mashup wie Info Soz kann freilich nicht mehr bieten als die sozialwissenschaftlich relevanten Medieninhalte, die im Internet bereits vorhanden sind. Die deutsche Forschungslandschaft wird zwar im alten Web recht anschaulich abgebildet, aber die technischen Möglichkeiten des Web 2.0 werden kaum benutzt. So bieten die meisten Wissenschaftsinstitute in Deutschland in ihren Internetauftritten anno 2010 immer noch keine RSS-Feeds oder Widgets an. Auch sind andere user-freundliche Dienste (etwa Mail-Alerts, Kommentierungsmöglichkeiten, Twitter-Kurzmeldungen, Blogs etc.) dort Fehlanzeige. Da die Wissenschaftsinstitute dennoch über eine für die Forschung und Entwicklung umfangreiche Informationsquelle verfügen, werden sie in Info Soz neben den News-Tickern anderer Wissens- und Info-Anbietern zumindest in einem Link-Modul präsentiert. In der Hauptsache wird mit Info Soz jedoch die mediale Avantgarde der Sozialwissenschaften anvisiert.

Beim Erstellen und Kombinieren der professionellen Medieninhalte in einem neuen Science-Mashup greift PlanFors auf die Erfahrung mit soznews.de, aber auch auf die frühere Planungsarbeit zu den Problemfeldern der Informations- und Kommunikationstechnologie zurück. Info Soz kann daher als ein nützliches Nebenprodukt unserer Ambition betrachtet werden, nämlich die aufkommende Web-2.0-Social-Science besser zu begreifen. Wie es bei empirischen Untersuchungen des eigenen Metiers zu erwarten ist, geht es nur in kleinen und tastenden Schritten voran – als work in progress. Dabei stellen sich zunächst sehr einfache, aber grundlegende Fragen: Was braucht der Forscher für seine digitale Werkbank? Welche medialen Innovationen kommen bei ihm an? Wie gestaltet der Sozialwissenschaftler heute seine virtuelle Arbeitsumgebung?

Das Konzept der Webseite Info Soz richtet sich nach den wichtigsten Arbeitsbereichen des aktiven Forschers, die in einzelnen Kategorien (als Tabs bzw. Reiter der Webseite) zusammengefasst sind:

Virtuelle Werkbank: Aktuell befinden sich hier Tipps in Bezug auf die zukünftigen Standards der kollaborativen Forschungsnetzwerke; aktuell ist dies Mendeley. Solche Empfehlungen werden regelmäßig aktualisiert. Außerdem sind weitere Tipps sowie Nachrichten von der Informationsplattform des Open Access-Projekts aufrufbar.

Werkzeug: Hier können zentrale sozialwissenschaftliche Fachportale direkt (ohne die Webseite zu verlassen) benutzt werden. Ferner wird eine Reihe von Browser-Hilfsprogrammen für die tägliche Arbeit kurz vorgestellt.

Quellen: Unter diesem Reiter können die wichtigsten digitalen Bibliotheken, Suchmaschinen und Zitationsdatenbanken direkt benutzt werden. Ferner werden andere Zugänge zu wissenschaftlicher Literatur und Quellen der Forschung und Lehre präsentiert.

Forschung: Die für die Forschungsplanung spezialisierten Suchmaschinen sind hier direkt anwendbar. Einige der größten Forschungsstiftungen und Forschungsgemeinschaften sind in Link-Modulen anklickbar.

Profession: Unter die beruflichen Interessen des aktiven Sozialwissenschaftlers kann vieles fallen; hier werden in erster Linie professionelle Organisationen dargestellt, aber auch aktuelle Informationen zu ausgesuchten Themenfeldern – zunächst: Urheberrecht.

Community: Die sozialwissenschaftliche Gemeinde wird hier in ihren Aktivitäten und Interaktionen wiedergegeben, wie sie vom Berufsverbands Deutscher Soziologinnen und Soziologen und anderen Interessenvertretungen präsentiert wird (Stellenangebote, Call for Papers, Veranstaltungskalender, Blogs und andere Nachrichtenquellen).

Wissenschaftliches Umfeld: Es gehört zur Grundregel eines Science-Mashups, die Fülle von Informationsquellen sinnvoll zu reduzieren und diese Auswahl auch noch medientechnisch zu komprimieren. Das weite wissenschaftliche Umfeld der Soziologie wird hier mit Links und News-Tickern auf vielfältige Dienstleistungen rund um die Sozialwissenschaften sowie Fachinformationen aus der Sozialwirtschaft beschränkt. Außerdem gehört hierhin eine Reverenz an ein sog. intelligentes Mashup, nämlich Perlentaucher, der eine Bücherschau des Tages und vorbildliche Zusammenfassungen aus der Medienlandschaft jeden Morgen aktuell liefert.

Derivate 2.0: Hier werden einige Potentiale der Web 2.0 Science exemplarisch in wenigen News-Tickern und automatisierten Suchaktionen aufgezeigt.

PlanFors: Schließlich stellen wir uns vor, damit jeder weiß, wer die Verantwortung für den Science-Mashup trägt (jedoch nicht für den Inhalt der gelinkten Website – siehe Impressum).

Info Soz ist ein kostenloser Service des PlanFors – Planungsbüros für Forschung und Entwicklung, der auch ohne jegliche Werbung auskommen wird. (Einzige Ausnahme ist eine anfängliche Einblende des netvibes.com, auf deren System und Server die Info Soz-Webseite läuft). Unser Anliegen ist es zu beobachten, wie dieser kostenlose Service angenommen und benutzt wird. Daher sind wir für Kommentare und Feedback stets dankbar, entweder hier unter diesem Blog-Eintrag oder direkt auf der Info Soz-Webseite oder per Mail an
frih [at] infosoz [punkt] de

Ein PlanFors-Paper über Microblogging

Micro Blogging Paper 05 2010

PlanFors unterstützt die neue Initiative für Systemwechsel in der Bildungsförderung

Wir freuen uns sehr, dass die Neue Initiative Bildungsförderung in diesen Tagen in einem neuen Gewand online geht. PlanFors hat aktiv an Analysen & Konzepten mitgewirkt und auch den Internet-Auftritt mit Texten unterstützt. Es handelt sich hier um eine neue Initiative, die sich für einen Systemwechsel in der Bildungsförderung stark macht und jetzt in verschiedenen Aktionen um Unterstützung werben wird. Wer in den Kreis der Freunde & Förderer aufgenommen werden möchte, sollte sich bei unserem Administrator unter: neue(at)initiative-bildungsgeld.de melden.

PlanFors hat schon im Sommer 2008 die ersten Konzepte für eine radikale Reform der Bildungsförderung entworfen und sie u.a. Bundestagsabgeordneten vorgestellt. Vor allem möchte ich mich hier bei Dr. Rainer Wend, MdB, danken: Er hat die Einzelheiten der Vorschläge mit dem Verfasser diskutiert und wichtige Hinweise gegeben. Außerdem hat er dafür gesorgt, dass das Paper innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion weitergereicht wurde.

Im aktuellen Grundsatzpaper der Neuen Initiative Bildungsförderung hat PlanFors selbstverständlich das Drei-Stufen-Modell angewandt, was nicht zuletzt in der vorgeschlagenen Dreigliederung der Bildungsförderung zum Ausdruck kommt, nämlich Bildungsgeld eins, zwei & drei. Es ist uns in diesem Untersuchungsfeld gelungen, das Drei-Stufen-Modell so umzusetzen, dass die innere Logik der Three Worlds of Meaning nicht groß erklärt oder begründet werden muss. Vielmehr ergibt sich die Anwendung des Modells selbstklärend aus der Sache heraus.

Das Planfors-Paper 11/2008: „Bundesagentur für Bildung und eine kostenneutrale Einführung von Ausbildungsgeld: Bildungsgeld eins, zwei & drei“,  kann kostenfrei & sicher hier heruntergeladen werden (pdf-Datei). Hier die Kurzfassung.

Die Paper sind mit dem bewahrten Creative Commons License (by-nc-sa) versehen.